Mone's Blog











Milchbauern sauer: Ein Jahr nach Boykott keine Wende

Hamburg/Berlin (dpa) – Als die Milchbauern vor einem Jahr den Hahn
zudrehten und die Molkereien boykottierten, erinnerte ihr Kampf für
höhere Abnahmepreise an den von David gegen Goliath. Landauf, landab
spielten sich Szenen ab wie damals im niedersächsischen Edewecht:
Dort blockierten 30 wütende Landwirte mit ihren Treckern die größte
Käserei Europas. Nichts ging mehr. 32 Cent bekamen sie damals für den
Liter Milch – zu wenig, um die Höfe zu halten, klagten sie. Wenn sich
das Ende ihres bundesweiten Lieferstopps nun am 5. Juni jährt, wird
dieser niedrige Erzeugerpreis aus Mitte 2008 noch weiter um ein
Drittel geschrumpft sein. Der Kampf scheint für David chancenlos.

Dabei war die Freude nach dem zehntägigen Boykott zunächst groß.
Die mächtigen Handelsketten hatten eingelenkt und höhere Preise in
Aussicht gestellt. Das Zugeständnis verpuffte schon nach wenigen
Tagen, die Discounter-Riesen verkauften Milch und Butter wieder
billiger. Ohnehin war fraglich, ob die höheren Verkaufspreise eins zu
eins bei den Landwirten angekommen wären. Und selbst wenn: Hätte
König Kunde mitgespielt? Der vom Bundesverband Deutscher
Milchviehhalter organisierte Boykott zahlte sich nicht aus – sondern
war mangels Streikkasse einfach nur teuer.

Doch Bauern pflügen Gesätes nicht gleich wieder unter. Seit einem
Jahr protestieren sie. Geändert an der Misere hat das wenig. Es sei
nach wie vor schlicht zu viel Milch auf dem Markt, sagt Edda Thiele
vom Institut für Agrarpolitik und landwirtschaftliche Marktlehre an
der Stuttgarter Universität Hohenheim. Auch die 1984 eingeführte
Milchquote – gedacht als Deckel gegen «Milchseen» und «Butterberge» -
habe Menge und Bedarf nie harmonisiert. «Im Gegenteil haben
Regulierung und Preisgarantien die Anpassung an sich ändernde
Marktbedingungen stets verzögert, wenn nicht gar verhindert.» Dies
habe den nötigen Strukturwandel zu lange hinausgezögert.

Das zweite Problem ist die Preisbildung: Rund 100 000 Milchbauern
stehen 100 Molkereien gegenüber, die mit einer Handvoll
Einzelhandelsketten über den Angebotspreis verhandeln. Thiele sieht
den Schwarzen Peter aber nicht nur bei Molkereien und Discountern.
«Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist einer der
wettbewerbsintensivsten der Welt.» Davon profitiere auch der
Verbraucher. Dass an einem Höfesterben kein Weg vorbeiführt, will
Thiele aber so drastisch nicht sagen. «Um den Strukturwandel kommt
man nicht herum, man muss nur überlegen, wie die Politik ihn
sozialverträglich ausgestalten kann», sagt sie diplomatisch.

Für den obersten Milchviehhalter Romuald Schaber wäre ein
Strukturwandel noch das kleinere Übel. «Was nun bevorsteht, ist ein
totaler Strukturbruch», sagt der Verbandschef. Bis zu 30 Prozent der
Höfe sieht er in Gefahr, wenn die Preise die kommenden drei bis vier
Monate so niedrig bleiben. Nur jeder fünfte Hof werde das nächste
Jahr überleben, wenn die Krise länger anhalte. Erst mit 40 Cent, also
etwa dem Doppelten des aktuellen Milchpreises, ließen sich Kosten
decken. Auch die Preise im Supermarktregal sind drastisch gesunken.

Dabei standen die Milchviehhalter im Sommer 2008 kurz vorm Ziel:
Nach einem Spitzengespräch mit Bund, Ländern und Milchwirtschaft
wurden Pläne zur Senkung der Milchmenge festgezurrt. Doch der
Bundesrat fegte die Beschlüsse im November vom Tisch. Zwar gab es im
Januar neue Hoffnung, als die EU Exporthilfen wieder einführte und
durch Butteraufkäufe Preise stabilisieren wollte. Das änderte jedoch
laut Schaber nichts an den sinkenden Erzeugerpreisen.

Wenn es nicht höhere Erzeugerpreise gebe, seien alle anderen
Hilfen «ein Herumdoktern an Symptomen», sagt der Milchviehhalter. Die
von der Koalition zugesagte Entlastung bei der Agrardieselsteuer und
Zinshilfen zögern das Höfesterben nur hinaus. Der kleinere
Milchviehhalterverband und der große Bauernverband sind zerstritten
über Lösungen. «Zurzeit ist ein gemeinsamer Nenner nicht denkbar»,
sagt Schaber.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner, der Bedenken gegen eine
Mengenregulierung hat, sieht alle Bauern bedroht. Bei einer
Demonstration im Frankfurter Bankenviertel forderte er einen
Schutzschirm auch für Bauern. Neben 25 000 Opel-Mitarbeitern und
50 000 Karstadt-Beschäftigten seien auch 380 000 landwirtschaftliche
Betriebe entscheidend, damit nicht das ganze System Schaden nimmt.
Das klingt fast nach David gegen Goliath.

Quelle: Land&Forst



Termine

Kundgebung am bundesweiten Tag der Milch 2009

01. Juni 2009 - 11:00 Uhr

Pfingstmontag, 01. Juni in der Zeit von 11:00 bis 13:00 Uhr

auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Hartmut Seetzen
in Neuenwege, Oldenburger Str. 125, 26316 Varel

Der drastische Verfall des Milchpreises führt zur massiven Existenzgefährdung bei unseren 1100 milcherzeugenden Familienbetrieben

- Die hiesige Landwirtschaft als Motor der Wirtschaft im ländlichem Raum steht auf dem Spiel
- Unsere Kulturlandschaft sowie Arbeitsplätze in vor- und nachgelagerten Bereichen sind in akuter Gefahr

Während der Kundgebung sind Statements aus verschiedenen Bereichen und Umfeld der Landwirtschaft sowie der Politik, unter anderem vor dem Hintergrund der anstehenden Europa- und Bundestagswahlen, vorgesehen. Ferner präsentieren wir „Deutschlands längste Milchtrinkerkette“ mit mindestens 1000 Personen.

Also, auf nach Neuenwege am Pfingstmontag, es geht um unser aller Zukunft!

Landvolk.net



Tag der Milch am 1. Juni 2009


Frische Trinkmilch macht in der Bevölkerung den Löwenanteil verzehrter Milchprodukte aus. Im Handel gewinnt nun die so genannte längerfrische Milch, bekannt als ESL-Milch, an Marktanteilen gegenüber der “frischen”, traditionell kurzzeiterhitzten Milch. Wie aber sieht es mit der Nährstoffqualität der verschiedenen Erhitzungsverfahren aus? Die Lebensmittel-Experten von TÜV SÜD haben zum “Tag der Milch” am 1. Juni den aktuellen Kenntnisstand zusammengetragen und geben auch Tipps für Aufbewahrung und Verzehr von Milch und Milchprodukten.

64 Kilogramm frische Trinkmilch verzehrt jeder Bundesbürger im Durchschnitt pro Jahr. Hinzu kommen gesäuerte oder gezuckerte Milchmixgetränke, Joghurt, Butter, Sahne und Käse verschiedenster Sorten. Mehr als 2.000 verschiedene natürliche Inhaltsstoffe wurden bisher in der Milch identifiziert. Über ihre gesundheitlichen Wirkungen wird zum Teil noch intensiv geforscht. Täglich Milch zu trinken bzw. in verarbeiteter Form zu essen, wird von Experten fast durchwegs empfohlen: Nicht nur der hohe Gehalt an Kalzium, auch leicht verdauliche Milchfette und -eiweiße sowie B Vitamine tragen zum positiven Gesundheitsimage bei.

Erhitzung ist gesetzlich vorgeschrieben

Milch im Rohzustand hat eine hohe Zahl an bakteriellen Keimen. In den Handel gebrachte Milch muss deshalb hitzebehandelt werden. Durch Erhitzungsverfahren bewirken die Hersteller ein vollständiges Abtöten der pathogenen Keime und verbessern die Haltbarkeit der Milch. Damit wird eine gesundheitliche Gefahr für den Verbraucher, auch bei unsachgemäßer Handhabung oder längerem Transport, weitestgehend ausgeschlossen.

Pasteurisierte, sterilisierte Milch – oder ESL?

Milch wird im Wesentlichen pasteurisiert oder sterilisiert. Die beiden Verfahren unterscheiden sich durch verschiedenen Einsatz von Temperatur und Erhitzungszeit. Herkömmliche Frischmilch wird bei 72 bis 75 Grad 30 Sekunden lang erhitzt (pasteurisiert). Bei der sterilisierten Milch wird höher und länger erhitzt: H Milch wird zwei bis acht Sekunden auf mindestens 135° C erhitzt.

Die längerfrische, so genannte ESL-Milch (Extended Shelf-Life-Milch), kann in zwei verschiedene Verfahren hergestellt werden: Zum einen durch ein Erhitzungsverfahren – mit etwas höheren Temperaturen als bei Frischmilch – und zum Zweiten durch das Mikrofiltationsverfahren, bei dem Keime mechanisch entfernt werden, in Kombination mit der Pasteurisierung. Das Erhitzungsverfahren bei der ESL-Herstellung führt zu einer etwas stärkeren Hitzeschädigung als bei herkömmlicher Frischmilch, jedoch ist die Hitzebelastung bei der UHT-Milch-Herstellung deutlich höher. Gesetzlich muss ESL-Milch bisher nicht als solche gekennzeichnet werden. Verbraucherschützer fordern eine Kenntlichmachung, weil mit der thermischen ESL-Herstellung eine etwas höhere Eiweiß- und Vitaminschädigung verbunden ist als bei der herkömmlichen Frischmilchherstellung. Menschen mit gutem Geruchs- und Geschmackssinn können das auch sensorisch bemerken. Zukünftig soll die Milch einheitlich gekennzeichnet werden: Die nach herkömmlichen Verfahren pasteurisierte Frischmilch wird mit dem Zusatz “traditionell hergestellt” gekennzeichnet, ESL-Milch erhält die ergänzende Angabe “länger haltbar”.

Bei der Konservierung der Milch mit Hitze treten nur geringe Verluste an Vitaminen bei den hitzelabilen Vitaminen (B1, B6, B12, C und Folsäure) auf. Als Faustregel geben Experten die Verluste bei der Pasteurisierung von Frischmilch mit weniger als 10 Prozent an, beim Sterilisieren (H-Milch) sind es maximal 20 Prozent. Der Kalziumgehalt bleibt in beiden Verfahren unbeeinflusst.

Tipps zur Lagerung

Für die Lagerung zu Hause ist die Haltbarkeit entscheidend. Je nach Erhitzungs-verfahren ergeben sich Unterschiede: H Milch ist bei Zimmertemperatur zirka drei Monate haltbar. ESL-Milch ist gekühlt bei einer Maximaltemperatur von sieben Grad zwei bis drei Wochen haltbar. Kurzzeiterhitzte Milch (Frischmilch) hält gekühlt zirka acht bis zehn Tage. Die Haltbarkeiten beziehen sich auf die ungeöffnete Originalverpackung. Beim Einkauf ist das Mindesthaltbarkeitsdatum eine entscheidende Orientierungshilfe. Es gibt an, bis wann ungeöffnete Lebensmittel bei richtiger Lagerung mindestens haltbar sind und der Qualitätsstandard des Herstellers garantiert ist. Die TÜV SÜD-Experten raten dazu folgendes:

- Milch nach dem Öffnen so schnell wie möglich verbrauchen. Das gilt auch für die H-Milch. Sie verdirbt zwar deutlich langsamer und ohne Säuerung, ist aber spürbar an einem seifigen, unangenehmen Geschmack.
- Die Lagerung im Kühlschrank ist bei drei bis acht Grad Celsius optimal.
- Da Milch und Milchprodukte sehr leicht Geruch und Geschmack anderer Lebensmittel annehmen, sollte die Milchverpackung selbst verschlossen sein.
- Milch dunkel lagern: Einwirkendes Licht – wie es zum Beispiel im Glas auf dem Frühstücksbuffet möglich ist – verringert die Milchqualität. Denn Licht zerstört empfindliche Vitamine und verschlechtert den Geschmack.

Empfehlungen zum Verzehr

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung 200 bis 250 Gramm Milch und Milchprodukte sowie 50 bis 60 Gramm Käse pro Tag in fettarmen Varianten. Vor allem Kinder erfüllen die Verzehrsempfehlungen nach aktuellen Studien bereits ab dem Grundschulalter meist nicht mehr. Da Milch und Milchprodukte jedoch die wichtigsten Kalziumquellen in der Ernährung sind, sollte jeder circa drei Portionen Milch und Milchprodukten pro Tag verzehren oder für Ersatz durch andere kalziumreiche Lebensmittel zu sorgen.





Weltgrößte Landtechnikausstellung im November 2009 – Alle globalen Landtechnikanbieter bereits angemeldet – 2.000 Aussteller erwartet



Die im November stattfindende, weltweit größte Fachausstellung für Landtechnik, die Agritechnica, trotzt dem weltweiten Konjunkturabschwung. Dies lässt sich aus dem bisherigen Anmeldeergebnis sehr deutlich ablesen. Es liegt auf ähnlich hohem Niveau wie bei der Rekordveranstaltung vor zwei Jahren. Daher rechnet der Veranstalter DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) auch in diesem Jahr wieder mit einer Beteiligung von rund 2.000 Herstellern von Traktoren, Landmaschinen und landtechnischen Geräten aus dem In- und Ausland. Alle global operierenden Unternehmen für Landtechnik hätten bereits angemeldet und nutzten den Marktplatz Agritechnica mit größeren Ständen, so der Geschäftsführer des DLG-Fachbereichs Ausstellungen Dr. Jochen Köckler. Auch könnten bis heute rund 180 Neuaussteller registriert werden. Dies ist nach Meinung von Dr. Köckler eine Bestätigung für die allgemeine Einschätzung, dass der Agrarwirtschaft aufgrund weltweit erwarteter Nachfragesteigerungen für Lebensmittel und für Biomasse aus Agrarrohstoffen insgesamt sehr gute Perspektiven prognostiziert werden. Das Anmeldeergebnis der Agritechnica 2009 spiegelt auch die jüngste Einschätzung des VDMA Landtechnik wider, der zwar leichte Umsatzrückgänge für 2009 erwartet, mittel- und langfristig aber von einem stabilen Absatz insbesondere in die großen Exportmärkte Zentral- und Osteuropas ausgeht.


Agritechnica



Aigner gegen «Käse-Schwindel»

Berlin (dpa) – Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)
will gegen falschen Käse vorgehen. Zum Tag der Milch an diesem Montag
(1. Juni) startete sie die Aktion «Achtung Käseschwindel». «Wo Käse
draufsteht, muss auch Käse drin sein», erklärte Aigner am Freitag.
«Insbesondere in der derzeitigen Situation auf den Milchmärkten ist
es nicht hinnehmbar, dass Milch durch Pflanzenfett-Mischungen in
vielen Milchprodukten ersetzt wird.» Sie wolle sich mit Österreich an
die EU-Kommission wenden, um eine europäische Lösung zu erreichen.
Das Imitat – auch Analog-Käse genannt – ist ein Ersatzprodukt, was
sich auf Pizza oder beim Überbacken von Brötchen oder in Restaurants
findet. Es ist aus Wasser, Pflanzenfett, Milcheiweiß, Stärke, Aromen
und Farbstoffen hergestellt.

Aigner begrüßte auch die Entscheidung für ein schärferes Vorgehen
gegen Gammelfleisch. «Das ist wichtig, weil gerade der Verbraucher
ein Interesse daran hat im Bereich Gammelfleisch, dass hier wirksame
Maßnahmen ergriffen werden», sagte sie. Der Vermittlungsausschuss von
Bundestag und Bundesrat hatte sich am Mittwoch darauf verständigt,
dass «schwarze Schafe» bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht
schneller und leichter genannt werden sollen. Der Bundestag hatte dem
am Donnerstag formell zugestimmt, nun muss der Bundesrat im Juni noch
abschließend entscheiden.



{29. Mai 2009}   Self control…

You take my self control…, dem ist nichts mehr hinzuzufügen! ;)



Milchviehhalter-Chef: Hilfen nur Tropfen auf heißen Stein

Hamburg  – Die geplanten Hilfen für die unter dem Preisverfall leidenden Milchbauern sind nach Überzeugung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) nur ein Tropfen auf den heißen Stein. «Durch die niedrigen Preise verliert so ein durchschnittlicher Betrieb etwa 50 000 Euro im Jahr an Milchgeld.
Billigerer Agrardiesel wiegt aber nur etwa 1000 Euro auf», sagte der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber am Freitag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hamburg. Die Koalition hatte günstigeren Agrardiesel und Kredite zugesagt. Den Streit mit dem Bauernverband beizulegen, hält Schaber für unmöglich: «Zurzeit ist ein gemeinsamer Nenner nicht denkbar.»
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte BDM und Bauernverband zum Schulterschluss aufgefordert und die Milch-Misere zur Chefsache erklärt. Ihr Appell an das Kaufverhalten der Verbraucher hält Schaber für nutzlos. Nur eine Anpassung der gemolkenen Menge an den Bedarf könne die Wende bringen. «Die Menge ist das alles Entscheidende, weil letztendlich der Preis das alles Entscheidende ist», sagte Schaber, der 45 Kühe melkt und monatlich gut 3000 Euro Verlust mache. Auch Bürgschaften oder vorgezogene Auszahlungen von Agrarhilfen – wie von der Koalition in Aussicht gestellt – änderten nichts an der Ursache des Preisverfalls und zögerten das Höfesterben seiner Ansicht nach nur hinaus.
Die BDM-Forderung nach flexibler Mengensteuerung hat EU-weit jedoch keine Mehrheit. Die Staatengemeinschaft will den Markt öffnen, die mengenbegrenzende Milchquote erhöhen und bis 2015 sogar abschaffen. Bisher gebe es zwar keine Mehrheiten, «aber es bewegt sich etwas», sagte Schaber. «Immer mehr Länder sehen, dass sich die Krise nicht von selber löst.»


Frankfurt/Main

Um 7.30 Uhr ist Bauer Dieter Reinhardt in Riedstadt auf seinen grünen Traktor geklettert und nach Frankfurt am Main getuckert. Immer wieder drückt er kräftig auf die Hupe, als er seinen Schlepper an den schicken Hochhäusern vorbei durch das Bankenviertel lenkt. Der Bauer mit dem Schnauzbart parkt direkt auf dem Opernplatz – neben rund 200 weiteren Traktoren. Mit der Aktion wollen die Landwirte auf ihre Existenznöte aufmerksam machen. Sie fordern einen Rettungsschirm für ihre Betriebe. Der Deutsche Bauernverband (DBV) spricht von rund 3000 Teilnehmern an der Kundgebung.

Im gelben Hemd steht Bauer Reinhardt auf dem großen Platz in der Innenstadt und zeigt auf die glänzenden Fassaden der Wolkenkratzer. Er finde es «ungerecht», dass die Regierung den Banken helfe und den Landwirten nicht. «Wir haben nicht die Macht», bedauert der 49-Jährige. Doch es nutze niemandem, wenn die landwirtschaftlichen Betriebe «kaputt» gingen. «Wir brauchen auch Schutz», fordert er.

Sein Familienbetrieb setzt auf Zuckerrüben. «Die Preise sind total im Keller», sagt Reinhard. Infolge der Wirtschaftskrise sei er nicht mehr in der Lage, kostendeckend zu produzieren. Nach Angaben des Bauernverbands sind die Preise für Getreide von 2008 auf 2009 um die Hälfte gesunken, die für Milch um rund ein Drittel. DBV-Präsident Gerd Sonnleitner sagt, dass die deutschen Landwirte derzeit 800 Millionen Euro pro Monat verlieren.

Es müsse ein «ABC» in der Landwirtschaft her, fordert Sonnleitner. A steht dabei für Absatz fördern, B für Belastungen senken und C für Cash – also «frisches Geld». Die geplante Senkung der Agrardieselsteuer sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagt der Verbandschef. Fortschritte gebe es auch bei der Forderung, die Auszahlung der Hälfte der Betriebsprämien von Dezember auf Juli vorzuziehen. «Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht kurz vor dem Ziel aus der Bahn fliegen», betont Sonnleitner.

Eine Gruppe Milchbauern ist sauer, ihnen reichen die Forderungen des Verbandspräsidenten nicht aus. «Die Menge muss runter», ruft Bauer Klaus Hofmann aus dem Odenwald wütend. Die Milchmenge müsse sofort um fünf Prozent gesenkt werden, das sei das Wichtigste. Der Bauernverband und die Politik forderten stets mehr Absatz. «Aber man kann nicht mehr absetzen, als getrunken wird», sagt Hofmann. Erst wenn die Quote reduziert werde, gingen die Preise wieder rauf.

Auch Frank Giebisch ist Milchbauer. Doch er findet, dass die Debatte um die Menge nichts bringt. «Die Quote ist längst beschlossen», sagt der Landwirt. Außerdem habe es keinen Sinn, sich zu streiten. «Dann werden wir gar nicht mehr wahrgenommen», fürchtet Giebisch. Die Preise müssten hoch, anders gehe es nicht. Derzeit arbeite er 60 Stunden die Woche – ohne Lohn.

Sollte sich die wirtschaftliche Lage der Bauern nicht deutlich verbessern, müssen nach Angaben des Bauernverbands über 30 Prozent der rund 24 000 Betriebe in Hessen schließen. Auch Hans-Dieter Levihn aus Gründau sorgt sich um die Zukunft seines Hofs. Der Landwirt fürchte, dass keiner seiner beiden Söhne einmal den Betrieb übernehmen will. «Woanders können sie mehr verdienen», erklärt der 58-Jährige. Doch es könne kein Interesse daran geben, dass irgendwann nur noch Riesenflächen bewirtschaftet würden.



Die regionale Tagespresse beschäftigt sich meiner Meinung nach viel zu wenig mit der Landwirtschaft!

Hier auf dem Dorf sollte man doch halbwegs gut informiert sein, über die Belange der Landwirte! Die ja nun auch nicht gerade den kleinsten Teil der Arbeitgeber im ländlichen Regionen ausmachen!

Der „normale“, landwirtschaftlich nicht involvierte Verbraucher bekommt so leider kaum etwas von der „Bauer-Krise“ mit!

Über Opel, KiTa-Streiks und Abwrackprämie wird beinah tägl. berichtet…


Warum, liebe Presse, ist das eigentlich so!?


…kein Wunder hat so manch’ einer vermutlich folgende Vorstellung, wie fettarme Milch entsteht!… =)





Betriebsprämie: ANDI übertrifft alle Erwartungen

90 Prozent aller Anträge gehen elektronisch ein

Als Volltreffer hat sich das Computerprogramm ANDI (Agrarförderung Niedersachsen Digital) erwiesen, mit dem Landwirte dieses Jahr erstmals ihre Betriebsprämie beantragen konnten. Über 90 Prozent aller 52.000 Anträge gingen elektronisch ein, meldet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zum Annahmeschluss am 15. Mai. Nur ein geringer Teil der Landwirte wählte die bisher übliche Papierform.

Zwei Gründe nennt die Landwirtschaftskammer für die hohe Akzeptanz des CD-Verfahrens in der Praxis: Zum einen ist das Programm einfach zu handhaben, zum anderen haben alle Beratungsorganisationen – Kammer, Landvolk und Beratungsringe – bei der Information der Landwirte eng zusammengearbeitet.

Ungeachtet des Erfolgs wollen die Verantwortlichen – Landwirtschaftskammer, Servicezentrum Landentwicklung und Agrarförderung sowie Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium – das Programm weiter optimieren. Die in Schulungen und einer ANDI-Hotline genannten Probleme werden dazu analysiert, die daraus abgeleiteten Verbesserungen in das Programm eingearbeitet.

Die CD war den 52.000 niedersächsischen Landwirten im Februar per Post nach Hause geschickt worden. Das Ausfüllen der digitalen Formulare erfolgte am Computer. Der fertige Antrag ging via Internet zur Landwirtschaftskammer als zuständige Stelle. Hier entfällt die zeitaufwändige manuelle Eingabe, wie sie bei Papieranträgen üblich ist. Es wurde bereits mit dem Datencheck, der bis zur Auszahlung abgeschlossen sein muss, begonnen.

Landwirte loben das anwenderfreundliche Programm. Bei der Bearbeitung des Antrages wird das Vorgehen Schritt für Schritt erläutert. Wichtige Informationen der Vorjahre sind bereits hinterlegt und müssen nur im Falle von Korrekturen/Änderungen angepasst werden. Eine Plausibilitätsprüfung weist auf Fehler hin.

Die Betriebsprämie wird seit 2005 gezahlt. In ihr wurden die vorher geltenden Prämienregelungen für die Tierproduktion und den Ackerbau zusammengefasst und von der tatsächlichen Produktion abgekoppelt. Die Prämie wird gezahlt, um die Existenz landwirtschaftlicher Unternehmen zu sichern. Preissenkungen bei landwirtschaftlichen Produkten und Auflagen in der Produktion werden damit ausgeglichen.



Lager-Streit schadet allen Milcherzeugern

27.05.2009

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Die zunehmende Spaltung der Milcherzeuger in verschiedene Lager schadet der gesamten Milchwirtschaft in Deutschland. Dies kritisierte top agrar-Chefredakteur Berthold Achler in einem Vortrag an der Fachhochschule Soest in Westfalen. Ein Teil der Auseinandersetzungen habe ohnehin mit der Milch nichts mehr zu tun.

Die Öffentlichkeit verstehe den „Bruderzwist“ um Milchquoten, Saldierung und Umrechnungsfaktoren schon lange nicht mehr. Die Presse berichtet teilweise irritiert oder amüsiert über den Schlagabtausch unter den Bauern. Und bei politischen Verhandlungen in Berlin und Brüssel schwäche der öffentliche Disput die Positionen der deutschen Milchbauern.

Für Außenstehende seien die extremen Positionen der verschiedenen Gruppen nicht mehr nachvollziehbar, versicherte Achler.

Viele Wachstumsbetriebe steigerten fortlaufend die Milchproduktion, forderten die Abschaffung der Milchquote und weniger staatliche Gängelung.

Ein zweites Lager von eher traditionell ausgerichteten Betrieben fordere dagegen die Beibehaltung der Quoten, die Drosselung der Produktion und die Abschaffung von staatlichen Förderprogrammen.

Und eine dritte Gruppe von „Oberschlauen“ predige öffentlich mehr Lieferdisziplin und steigere zuhause fortlaufend die Produktion auf 100, 500 oder 1000 Kühe, teilweise sogar unter konsequenter Ausnutzung von Überlieferung und Saldierung. Es wäre für alle Bauern sehr aufschlussreich, wenn diese Betriebe ihre Quotenbilanzen veröffentlichten würden.

Als größten Schaden dieses Streits bezeichnete es Achler, dass die Weiterentwicklung der deutschen Molkereiwirtschaft (Schlagkraft, Wertschöpfung etc.) nicht vorankomme. Deutschland sei zwar der größte Milcherzeuger in Europa, habe jedoch eine der schwächsten Molkereiwirtschaften, inbesondere im Genossenschaftssektor. Dort würde viel Bauerngeld verbrannt.

Die Gewinner seien einige Privatmolkereien sowie die leistungsfähigen Molkereikonzern aus Holland, Dänemark und Frankreich, die sich zunehmend Marktanteile sicherten. Diese Molkereien und deren Lieferanten könnten gestärkt aus der Wirtschaftskrise und dem Quotenausstieg herausgehen. Die Lieferanten von schwachen Molkereien, ohne attraktive Produkte und ohne nennenswerte Absatzmärkte, könnten zu den Verlierern zählen.

Es sei daher höchste Zeit, dass sich die Milcherzeuger wesentlich stärker für die Bildung von leistungsfähigen Molkereien einsetzten, forderte Achler. Insbesondere die Vertreter der Landesbauernverbände und des BDM in den Molkereigremien hätten eine historische Verantwortung für die deutsche Milchwirtschaft.



…verwirrt zu sein!

Bin ich auch…

…aber nicht ohne Grund! ;D






PROTESTE IN BERLIN

Bauernwut macht Unions-Wahlkämpfer nervös

Von Susanne Amann, Sebastian Fischer und Torben Waleczek

6000 Bauern, Hunderte Traktoren: Mit einer Demo in Berlin will Bauernpräsident Sonnleitner seine Macht demonstrieren. Doch viele Landwirte sind sauer auf den Lobbyisten-Chef und die Politik der Union. Auch Kanzlerin Merkel hat das Problem lange verkannt – und versucht zu retten, was zu retten ist.

Hamburg/Berlin – Der Deutsche Bauernverband (DBV) ist nicht irgendein Verband. Wenn die Dachorganisation der deutschen Landwirte zur Demonstration aufruft, dann bleibt nichts dem Zufall überlassen. In ausführlichen Mobilisierungsschreiben wurden die gewünschten „Mindestzahlen“ der Teilnehmer und der „Versand von Plakaten und Transparenten“ für den Protest in Berlin an diesem Montag organisiert. Denn die „offen sichtbaren Forderungen (Schilder/Plakate usw.)“ werden als „außerordentlich wichtig für einen politischen Erfolg betrachtet“, wie der Verband seinen Mitgliedern vorsorglich mitteilt.

MILCHDEMO: MIT DEM TRAKTOR NACH BERLIN

Viel Aufwand für eine Demonstration also – doch der ist verständlich. Denn es geht nicht nur um darbende Milchbauern, sinkende Preise, Konjunkturpakete für die Landwirtschaft und die komplizierte Obergrenze für subventionierten Agrardiesel.

Es geht darum zu gewinnen.

„Ich habe niemals so eine Machtdemonstration der deutschen Bauern gesehen“, verklärte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner die Traktoren-Sternfahrt zur Berliner Siegessäule denn auch prompt. 6000 Landwirte aus ganz Deutschland seien mit 700 Traktoren nach Berlin gekommen, um auf ihre „existentielle Bedrohung“ aufmerksam zu machen und ein „Krisenpaket Landwirtschaft“ zu fordern.

Größte Zeichen von Schwäche

Was Sonnleitner nicht sagt: Ziemlich genau vor einem Jahr demonstrierten die Milchbauern schon einmal vor der Siegessäule. Damals waren es 7000 Bauern, die mit ihren Treckern aus ganz Deutschland gekommen waren. Es waren nicht seine Bauern, es war keine Veranstaltung des Bauernverbandes – es waren die renitenten Landwirte des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), jenem kleinen, aufmüpfigen Verband, der der großen Schwester in nur einem Jahr viel Popularität und Tausende von Mitgliedern abspenstig gemacht hat. Der sich seitdem anmaßt, für die Milchbauern zu sprechen. Und der die Dinge meist viel deutlicher auf den Punkt bringt als Gerd Sonnleitner und der Bauernverband.

Es war das größte Zeichen von Schwäche für den Verband, der sich über Jahrzehnte als alleiniges Sprachrohr der deutschen Landwirte verstanden hat. Und dessen Präsidenten seitdem nichts mehr so richtig gelingen will. Denn tatsächlich häufen sich seit vergangenem Sommer die Fehltritte des Bauernlobbyisten: Erst hat er die Dynamik der protestierenden Milchbauern unterschätzt und dann einen süddeutschen Landwirt, der sich durch alle Instanzen geklagt hat, um die Zwangsabgabe für das Bauernmarketing der CMA zu kippen.

Dann zwang ihn ausgerechnet sein eigener Landesverband, sich öffentlich gegen die grüne Gentechnik auszusprechen – obwohl Sonnleitner als vehementer Befürworter eben jener gilt. Zu seinem großen Entsetzen verbot kurz darauf Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) – wohl auch infolge des Drucks, den Parteichef Horst Seehofer wegen seiner neuen, genkritischen Linie auf sie ausübte – die gentechnisch-veränderte Maissorte 810. Prompt bedauerte dies der Bauernpräsident beim Runden Tisch von Wissenschaftsministerin Annette Schavan. Ein Hin und Her, das bei der eigenen Klientel nicht gut ankommt.

„Mit rasender Geschwindigkeit von den Mitgliedern entfernt“

Doch damit nicht genug: Auf EU-Ebene gab es Streit über die sogenannten Nachbau-Gebühren, die die Landwirte den Pflanzenzüchtern auch dann zahlen sollten, wenn sie ihr Saatgut aus der eigenen Ernte bezogen. Eilfertig hatte Sonnleitner sich hier den großen Saatgutkonzernen unterworfen, statt seine Mitglieder vor den neuen Lizenzgebühren zu schützen. Einzelne Landwirte klagten daraufhin vor dem Bundesgerichtshof und dem Europäischen Gerichtshof – und bekamen Recht.

Zuletzt zog der Verband im Streit um die Veröffentlichungen von Agrarsubventionen den Kürzeren: Laut einer EU-Richtlinie müssen künftig die Nutznießer der landwirtschaftlichen Hilfsgelder veröffentlicht werden – was der Bauernverband mit dem Hinweis auf datenschutzrechtliche Bestimmungen verhindern wolle. Auch, weil dabei herauskäme, dass von den Milliarden auch industrielle Großbetriebe profitieren, die die Hilfen eigentlich nicht nötig hätten.

MILCHBAUERN IN NOT: „WIR HABEN NICHTS MEHR ZUM LEBEN“

„Wenn das so weitergeht, hören wir spätestens in einem Jahr auf“, sagt Christa Paulman, 50. Sie und ihr Mann betreiben einen Hof im niedersächsischen Northeim, 60 Kühe, 30.000 Liter Milch im Monat. Jetzt demonstrieren sie vor der Berliner Siegessäule für einen höheren Milchpreise. Die Paulmanns erzählen, dass ihnen die Produktionskosten über den Kopf wachsen: Jeden Monat 650 Euro für Strom, 500 für Wasser, 600 für den Tierarzt und 1500 für das Kraftfutter. „Wir haben nichts mehr zum Leben, unsere drei Kinder können wir kaum noch bei ihrer Ausbildung unterstützen“, sagt die Bäuerin. Von einer möglichen Milchquotensenkung, wie sie der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter fordert, halten die Paulmanns trotzdem nur wenig. Europa könne im globalen Markt keine Insel bleiben, sagen sie. Wichtiger wären dem Ehepaar aus Niedersachsen Steuersenkungen beim Agrardiesel und öffentlicher Druck auf die Preispolitik der Discounter.

„Es ist erstaunlich, mit welch rasender Geschwindigkeit sich Sonnleitner von den eigenen Mitgliedern entfernt hat“, sagt Ulrike Höfken, Vorsitzende des Agrarausschusses des Bundestags. Ein Großteil der Landwirte spüre einfach an der eigenen Abrechnung, dass die Politik des Verbandes ihnen keine Vorteile bringe. „Der Kurs des uneingeschränkten Wachstums und der industrialisierten Produktion stößt bei immer mehr Landwirten auf Ablehnung – und das merkt inzwischen auch Herr Sonnleitner“, so die Grünen-Politikerin.

Zwischen Bauern und Industrie

Denn tatsächlich bezweifeln inzwischen viele, ob der Mann an der Spitze tatsächlich für ihre Interessen kämpft: „Der Bauernverband nennt sich zwar so, vertritt aber eigentlich die Interessen der Industrie“, sagt auch Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Europa-Abgeordneter der Grünen und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Und das bringt ihn in ein doppeltes Dilemma: Denn zum einen misstrauen ihm die eigenen Leute, aber auch die Industrie macht Druck: „Er schafft es nicht mehr, die Bauern hinter sich zu scharen – das sehen die Großkonzerne, die sich bisher auf ihn verlassen können, nicht gern“, so Graefe zu Baringdorf.

Und selbst in der Politik wird man unruhig – galten doch die Landwirte dank der straffen Organisation im Bauernverband jahrzehntelang als sichere Klientel von CDU und CSU. Dass ausgerechnet die bayerischen Bauern der CSU bei den Landtagswahlen im September 2008 eine historische Niederlage bescherten und in Scharen zu den Freien Wählern abwanderten, damit hatte man dort nicht gerechnet. Und jetzt hat man Angst, dass sich das Desaster bei der Europawahl wiederholt – denn die Milchpreise sinken noch immer.

Auch die Bundeskanzlerin hat sich lang auf Sonnleitners Verband verlassen – und den Widerstand der Bauern offenbar unterschätzt. Auch weil es wieder der BDM war, der auch in diesem Jahr den Protest organisiert hat: Da campierten tagelang protestierende Milchbäuerinnen vor ihrem Amtssitz, einige von ihnen im Hungerstreik – doch Angela Merkel würdigte sie keines Gesprächs und keiner Geste. Erst bei einem Wahlkampfauftritt in Würzburg ahnte sie wohl, dass das keine gute Idee war: „Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht – gegen CDU/CSU-Milchpolitik“, schrie es da von den Plakaten der angereisten Bauern.

Schimpfen auf „modernes Raubritter- und Freibeutertum“

Seitdem versucht Merkel zu retten, was zu retten ist: Sie versprach, den unAgrardiesel niedriger zu besteuernd sich für vorgezogene EU-Direktzahlungen einzusetzen – und sie lieferte eine längst überfällige Geste nach: Zwei Tage nach dem Auftritt in Würzburg besuchte sie spontan einen Bauernhof im niedersächsischen Ritterhude, streichelte ein paar Kühe und stellte Hilfe „noch vor der Sommerpause“ in Aussicht.

MILCHBAUERN IN NOT: „MEINE ALTERSSICHERUNG BRICHT WEG“

Michael Städtler, 51, aus dem fränkischen Ettenstatt wollte eigentlich 150.000 Euro in einen moderneren Stall für seine 20 Kühe investieren. Jetzt hat er diese Anschaffung verschoben, bis der Milchpreis vielleicht wieder steigt. In seinem Ort gab es bislang fünf Milchbauern, zwei davon haben ihre Milchproduktion eingestellt, erzählt Städtler bei der Bauerndemonstration in Berlin. Seinen eigenen Hof hält er mit einer Mischwirtschaft über Wasser, neben Milch verkauft er Getreide. Dass seine Kinder den Betrieb einmal übernehmen, glaubt der Bauer nicht. „Damit bricht dann auch meine Alterssicherung weg.“

Fast scheint es, als ob Sonnleitner ihrem Vorbild folgt – auch wenn die Geste bei ihm genauso durchschaubar ist wie bei der Kanzlerin. Da hilft es auch nichts, lautstark auf das „moderne Raubritter- und Freibeutertum“ und die „Schandpreise“ zu schimpfen, die deutsche Landwirtschaft als „systemrelevant“ zu deklarieren und zu beschwören, man lasse sich „nicht für dumm verkaufen, weder von Aldi, noch von der Politik“.

„Was soll er denn auch sonst sagen, das ist doch genau das, was die Bauern in diesem Moment von ihm hören wollen“, sagt Harald von Witzke, Agrarökonom der Humboldt-Uni in Berlin. Dabei sei klar, dass auch die Steuersenkung des Agrardiesels den kleinen Milchbauern nicht helfen werde, sondern wieder nur den Großen. Und dass ein Strukturwandel in der Landwirtschaft nicht zu vermeiden sei.

Das aber sagt Sonnleitner an der Siegessäule nicht. Denn wer solche Themen anspricht, der gewinnt nicht mehr.



Milchviehhalter: Agrardiesel-Entlastung hilft nicht

Berlin/Freising (dpa) – Die geplante Entlastung bei der Agrardieselsteuer stößt beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter auf Kritik. Die Steuerentlastung löse das Problem nicht, teilte der Verband am Dienstag in Freising mit. Ein Milchbauernhof mit 60 Kühen und einer Fläche bis zu 60 Hektar erhalte nur 350 Euro Rückerstattung der Agrardieselsteuer, während er durch den niedrigen Milchpreis 63 000 Euro Verlust mache. Die meisten Milchbetriebe kämen ohnehin nicht an die bisherige Obergrenze für den ermäßigten Steuersatz von 10 000 Liter heran.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) drohte mit einem Lieferboykott der Milchbauern. «Die Bauern müssen ihre Marktmacht nutzen“, sagte der Bundesvorsitzende Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf (Grüne) der Oldenburger «Nordwest-Zeitung» (NWZ/Dienstagausgabe). «Wir brauchen eine zentrale Mengensteuerung durch die Milchbauern. Nur dann kann auf Augenhöhe mit Molkereien und Handel über Preise verhandelt werden. Die verhängnisvolle Steigerung der Milchproduktion darf nicht fortgeführt werden.»
Die Koalitionsfraktionen hatten beschlossen, dass die Dieselsteuer für Bauern künftig ohne Beschränkungen ermäßigt sein soll. Die Milchviehhalter fordern eine Mengensteuerung der Milch. Für diesen Freitag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Bauern zu einem Spitzentreffen ins Kanzleramt eingeladen.


Uelzen (ddp). Der im niedersächsischen Uelzen ansässige Verein Verantwortung für die Familie hat Strafanzeige gegen RTL wegen der geplanten Ausstrahlung der Doku-Soap «Erwachsen auf Probe» bei der Staatsanwaltschaft Köln gestellt. Das teilte Rechtsanwalt Burkhard Remmers, der für den Verein tätig ist, am Dienstag auf ddp-Anfrage in Papenburg mit. Es gehe um den Verdacht der Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener.

Der Kölner Sender nehme die Entstehung einer «Bindungsstörung bei Kindern billigend in Kauf», indem sie existenziellen Ängsten ausgesetzt würden. Darüber hinaus dürften «wesentliche Tatbestandsmerkmale des Kinderhandels» gemäß Paragraf 236 I Strafgesetzbuch erfüllt sein, hieß es weiter.

Die Anzeige richtet sich dem Familienverein zufolge auch gegen die Eltern, die ihre Kinder für diese Filmzwecke zur Verfügung stellten. «Die Ausleihe von Babys für ´mediale Babyversuche´ halten wir grundsätzlich für sittenwidrig», erklärte der Verein.

RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt hatte am Sonntag die Sendung, die am 3. Juni mit einer Doppelfolge startet, erneut verteidigt. In den sieben Episoden vertrauen Eltern ihren Nachwuchs vier Teenager-Paaren mit Kinderwunsch an. Rund um die Uhr begleitet von Kamerateams müssen die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren mit den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder zurechtkommen.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte am Wochenende RTL aufgefordert, entweder die Sendung zu stoppen oder gründlich zu überarbeiten.

(ddp)





Bauern drohen mit erneutem Milch-Lieferboykott

Oldernburg (dpa) – Im Streit um die Milchpreise hat die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) mit einem Lieferboykott der Milchbauern gedroht. «Die Bauern müssen ihre Marktmacht nutzen“, sagte der Bundesvorsitzende Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf (Grüne) der Oldenburger «Nordwest-Zeitung» (NWZ/Dienstagausgabe). «Wir brauchen eine zentrale Mengensteuerung durch die Milchbauern. Nur dann kann auf Augenhöhe mit Molkereien und Handel über Preise verhandelt werden. Die verhängnisvolle Steigerung der Milchproduktion darf nicht fortgeführt werden.» Es wäre jetzt notwendig, mit einer radikalen Rückführung der Milchmenge den Druck vom Markt zu nehmen: «Wir sollten konkret über einen neuen Lieferboykott nachdenken.»
Der Grünen-Politiker übte scharfe Kritik an der geplanten Entlastung beim Agrardiesel. «Der Agrardiesel ist ein Symbolthema. An dieser Stellschraube zu drehen, ist nicht mehr als ein Ablenkungsmanöver. Was den Milchbauern hilft, sind nicht Liquiditätshilfen oder vorgezogene Zahlungen aus Brüssel, sondern schlicht und einfach höhere Preise.» Die gebe es nur, wenn endlich die Überproduktion bei der Milch gestoppt werde. «Dafür kämpfen wir, gemeinsam mit dem Bund Deutscher Milchviehhalter.»
Beim Milchgipfel vor einem Jahr seien alle richtigen Forderungen bereits auf dem Tisch gelegt worden – vergeblich: «Von den Beschlüssen des Milchgipfels haben sich die Bundesländer schnell wieder verabschiedet, nach einer heftigen Kampagne der Milchindustrie und des Deutschen Bauernverbandes», sagte Graefe zu Baringdorf.


Koalition verspricht 25 Cent Agrardieselsteuer!

25.05.2009
Eckhard Uhlenberg

Auch NRW-Agrarminister Eckhard Uhlenberg unterstützt eine niedrigere Agrardieselsteuer.

Tausende Bauern demonstrieren heute in Berlin u.a. gegen die hohe Agrardieselsteuer. Jetzt hat die SPD offenbar eingelenkt. Die Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU) und Peter Struck (SPD) sowie CSU-Landesgruppenchef Peter Raumsauer haben sich Pressemeldungen zufolge verständigt, die Bauern bei der Dieselsteuer entlasten zu wollen. Wörtlich heißt es: „Wegen der schwierigen aktuellen Situation der Land- und Forstwirte haben wir uns darauf geeinigt, dass alle landwirtschaftlichen Betriebe wieder von dem reduzierten Mineralölsteuersatz auf Agrardiesel von 25,56 Cent pro Liter profitieren.“
Der „Selbstbehalt“ von 350 Euro je Betrieb bei der Rückvergütung der Mineralölsteuer soll auf zwei Jahre befristet fallen. Ebenso hätten sich die Parteien darauf verständigt, die Deckelung von maximal 10 000 Litern je Betrieb auf zwei Jahre befristet zu streichen. Diese Regelung soll schon für das Jahr 2009 gelten. „Wir werden die Land- und Forstwirte dadurch mit etwa 285 Mio. Euro im Jahr entlasten“, sagten Kauder und Struck am Montag in Berlin.

Nun solle die Regierung diese Einigung umsetzen. Das Kabinett hatte bisher beschlossen, dass die Begrenzung bis 350 Euro fallen soll – allerdings sollten dafür die Länder zuständig sein.

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25.05.2009

Schleppersternfahrt in Berlin

Sonnleitner: Unsere Betriebe gehen am Stock

Berlin – Aus allen Regionen Deutschlands sind 6.000 Landwirte und Landwirtinnen in die Bundeshauptstadt gekommen, um sich in der Politik Gehör zu verschaffen. Begleitet wird die Demonstration von über 700 Traktoren.

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Durch Klicken vergrößern. (Foto: RLV)

„Die deutschen Landwirte verlieren derzeit 800 Millionen Euro jeden Monat! Hält dies an, erleiden die Betriebe einen Verlust von drei Viertel ihres Einkommens. Das geht an die Wurzeln, viele Betriebe sind existenziell betroffen!“ sagte Gerd Sonnleitner, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), auf der Demonstration heute in Berlin im Rahmen der Aktionswoche des Deutschen Bauernverbandes für ein Krisenpaket Landwirtschaft. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Bauern voll erwischt. Die Kosten für Düngemittel, Futtermittel, Maschinen, Gebäude und Handwerkerstunden, Steuern und Abgaben steigen immer weiter an. Gleichzeitig fallen die Erzeugerpreise, „die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise sind die Billigheimer der Nation“, wie Sonnleitner im Rahmen der Kundgebung kritisierte.

Sonnleitner: Aldi und Co. nutzen die Krise aus

Sonnleitner bezeichnete das Gebaren von Aldi, Lidl und den Discountern als modernes Raubritter- und Freibeutertum. „Sie nutzen die Krise aus - verschärfen sie noch weiter“, sagte Sonnleitner stellvertretend für die demonstrierenden Bauern. Der Wahnsinn der Preisspirale müsse nach unten endlich gestoppt werden, sonst würden Arbeitsplätze auf den Bauernhöfen und in der Verarbeitung vernichtet. Auf dem Spiel stünden auch die Qualitätssicherung und die langfristige Verfügbarkeit der lebensnotwendigen Nahrungsmittel. Angesichts der katastrophalen Lage am Milchmarkt rief DBV-Vizepräsident Udo Folgart auch die Molkereien auf, Verantwortung für den Markt, für Menge und Preis zu tragen. Die Molkereien müssten endlich ihre Strukturprobleme lösen, um in Augenhöhe für die Milchbauern angemessene Milchpreise aushandeln zu können. „Was da derzeit bei den Listungsgesprächen passiert, ist eine Riesenblamage für die Molkereien“, betonte Folgart.

Agrardieselsteuersatz senken und EU-Betriebsprämie vorziehen

Sonnleitner schlug erneut das große ABC der Landwirtschaft als Krisenhilfe vor. Die Europäische Kommission müsse Exporterstattungen gewähren und Verarbeitungsbeihilfen zahlen, um den Absatz zu fördern und Märkte zu beleben. Belastungen und Kosten könnten nach Einschätzung Sonnleitners dadurch gesenkt werden, dass „dieser unmöglich hohe und diskriminierende Steuersatz bei Agrardiesel in Deutschland“ endlich abgeschafft wird. Wenn die EU-Betriebsprämie bereits im Juli ausgezahlt werde, könne zudem Cash und Liquidität in den Betrieben gesichert werden. Bundesregierung, Bundesländer und Landwirtschaftliche Rentenbank müssten den Ehrgeiz haben, das Vorziehen der Betriebsprämie sicherzustellen, forderte der DBV-Präsident.

DBV-Vize Hilse: Bauern müssen geschlossen agieren

DBV-Vizepräsident Werner Hilse rief die Bauern zu Geschlossenheit auf, um die bäuerlichen Interessen in der Öffentlichkeit durchzusetzen. Derzeit seien alle Bereiche der Agrarmärkte in starke Turbulenzen geraten. „Wenn der Markt versagt, dann müssen bäuerliche Existenzen gesichert werden“, forderte Hilse die Politik auf. Neben einem Krisenprogramm Landwirtschaft sei dringend eine Entschlackung bei den Auflagen und mehr Wertschätzung für den Wert der Lebensmittel erforderlich.

Jandjugend und Landfrauen fordern Dumpingpreise abzuschaffen

Auch Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes, appellierte an Politik und Verbraucher, dass endlich Schluss sei mit der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ bei Lebensmitteln. Ebenso dürfe die Bevölkerung nicht mehr länger mit Analogkäse hinters Licht geführt werden. „Es darf kein Milchspeiseeis ohne Milch geben, nur um Dumpingpreise bei Lebensmitteln aufrechtzuerhalten“, forderte Scherb. Die Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend, Anne Hartmann, forderte, dass Qualität auch entlohnt werden muss. Bislang gelte aber das Motto „billig, billiger, am billigsten. Mit allen Mitteln werden die Preise gedrückt“, kritisierte Hartmann. Dieses Preisdumping müsse aufhören. Nur wenn das gelänge, gäbe es für die Junglandwirte eine wirkliche Zukunft. „Wir wollen auch in Zukunft auf unseren Betrieben wirtschaften und das wenn es sein muss 365 Tage im Jahr“, bekundete Hartmann. (pd)



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