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Verband will neue Verkaufsregeln

Es ist die Politik der kleinen Schritte. Der Bund Deutscher Milchviehhalter versucht seit 1998, verkrustete Strukturen des Marktes aufzubrechen.

Seit Jahrzehnten liefern Bauern ihre Milch zu dem Preis ab, den Discounter und Molkereien gerade zahlen. Mal mehr, mal weniger. Oder so wie derzeit: So wenig, dass ihre Existenzen bedroht sind. „Wir sind moderne Sklaven“, hört man immer wieder. Und: „So kann es nicht weitergehen.“ Genau das haben auch verschiedene Gruppen und einzelne Bauern im Jahr 1998 gedacht und sich zum Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) zusammengeschlossen.

Heute sind rund ein Drittel der deutschen Milchbauern – etwa 30 000 – im BDM organisiert. „Es war die Konsequenz unserer Unzufriedenheit mit der Politik des Bauernverbandes“, erinnert sich Hans Foldenauer, Gründungsmitglied, Milchbauer aus Irrsee im Allgäu und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim BDM. Zum einen sei die Meinung der Basis beim Bauernverband nicht gefragt. Zum anderen könnten die Ansichten über eine gerechte Milchpreispolitik unterschiedlicher nicht sein.

„Es ist einfach zu viel Milch auf dem Markt“, bringt es Foldenauer auf den Punkt. Nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Europäischen Union. Dass die EU die Quote noch erhöht hat, verstärke die Misere. Klar sei: Der Markt muss mehr gesteuert werden.

Der erste Schritt besteht nach BDM-Ansicht darin, den Milchpreis so anzuheben, dass die Produktionskosten gedeckt werden. Derzeit wären das rund 40 Cent pro Liter Milch. Der zweite Schritt: Die Milchmenge wird der Nachfrage angepasst. „Sowohl nach unten wie nach oben“, betont Foldenauer. Ebenso wichtig: Die Bauern sollen Marktmacht erhalten. In Deutschland etwa über das so genannte „Milchboard“, dem jeder Erzeuger beitreten kann. Mit Hilfe dieses Instruments soll die Milchmenge gebündelt und Verkaufsregeln aufgestellt werden. „Das heißt, die Mitglieder bestimmen den Preis.“

Auf diese Weise werde verhindert, dass die Molkereien sich gegenseitig ausspielen und die Discounter dies nutzen. Der Weg zur Marktmacht ist aber noch lang. Rund 80 Prozent der Milcherzeuger müssten dem Milchboard beitreten, gerade mal ein Drittel ist es derzeit. Aber auch das bringt den BDM nicht aus dem Takt: „Wir betreiben die Politik der kleinen Schritte. Es dauert, bis der Mensch umdenkt.“

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