Lager-Streit schadet allen Milcherzeugern |
| 27.05.2009 | |

Die zunehmende Spaltung der Milcherzeuger in verschiedene Lager schadet der gesamten Milchwirtschaft in Deutschland. Dies kritisierte top agrar-Chefredakteur Berthold Achler in einem Vortrag an der Fachhochschule Soest in Westfalen. Ein Teil der Auseinandersetzungen habe ohnehin mit der Milch nichts mehr zu tun.
Die Öffentlichkeit verstehe den „Bruderzwist“ um Milchquoten, Saldierung und Umrechnungsfaktoren schon lange nicht mehr. Die Presse berichtet teilweise irritiert oder amüsiert über den Schlagabtausch unter den Bauern. Und bei politischen Verhandlungen in Berlin und Brüssel schwäche der öffentliche Disput die Positionen der deutschen Milchbauern.
Für Außenstehende seien die extremen Positionen der verschiedenen Gruppen nicht mehr nachvollziehbar, versicherte Achler.
Viele Wachstumsbetriebe steigerten fortlaufend die Milchproduktion, forderten die Abschaffung der Milchquote und weniger staatliche Gängelung.
Ein zweites Lager von eher traditionell ausgerichteten Betrieben fordere dagegen die Beibehaltung der Quoten, die Drosselung der Produktion und die Abschaffung von staatlichen Förderprogrammen.
Und eine dritte Gruppe von „Oberschlauen“ predige öffentlich mehr Lieferdisziplin und steigere zuhause fortlaufend die Produktion auf 100, 500 oder 1000 Kühe, teilweise sogar unter konsequenter Ausnutzung von Überlieferung und Saldierung. Es wäre für alle Bauern sehr aufschlussreich, wenn diese Betriebe ihre Quotenbilanzen veröffentlichten würden.
Als größten Schaden dieses Streits bezeichnete es Achler, dass die Weiterentwicklung der deutschen Molkereiwirtschaft (Schlagkraft, Wertschöpfung etc.) nicht vorankomme. Deutschland sei zwar der größte Milcherzeuger in Europa, habe jedoch eine der schwächsten Molkereiwirtschaften, inbesondere im Genossenschaftssektor. Dort würde viel Bauerngeld verbrannt.
Die Gewinner seien einige Privatmolkereien sowie die leistungsfähigen Molkereikonzern aus Holland, Dänemark und Frankreich, die sich zunehmend Marktanteile sicherten. Diese Molkereien und deren Lieferanten könnten gestärkt aus der Wirtschaftskrise und dem Quotenausstieg herausgehen. Die Lieferanten von schwachen Molkereien, ohne attraktive Produkte und ohne nennenswerte Absatzmärkte, könnten zu den Verlierern zählen.
Es sei daher höchste Zeit, dass sich die Milcherzeuger wesentlich stärker für die Bildung von leistungsfähigen Molkereien einsetzten, forderte Achler. Insbesondere die Vertreter der Landesbauernverbände und des BDM in den Molkereigremien hätten eine historische Verantwortung für die deutsche Milchwirtschaft.