Mone's Blog











09.06.09

Aufruf an alle Milchbauern Europas

Liebe Kollegen,

die Lage der Milchbauern in ganz Europa ist dramatisch. Viele der Beteiligten hoffen, dass sich der Milchpreis spätestens 2010 erholt. Mindestens ebenso wahrscheinlich jedoch ist die Befürchtung, dass die jetzige Situation ohne unser aktives Eingreifen über mehrere Jahre andauern kann!
Die effektivste, kostengünstigste und schnellste Verbesserung unserer Lage kann nur erreicht werden, wenn sofort europaweit eine mindestens 5 %ige Milchmengenreduzierung erfolgt. Das wäre auch der erste wichtige Schritt hin zu einer flexiblen Mengensteuerung durch die Milcherzeuger.
Wer in den letzten Tagen aufmerksam war, konnte erleben, wie diese Forderung immer mehr Unterstützung in ganz Europa erfährt. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, hat ähnliche Gedanken geäußert. Wir sind unserem Ziel durch unsere bisherigen Aktivitäten ein großes Stück näher gekommen.
Unsere Probleme sollen deshalb auch während des Treffens der EU – Regierungschefs am 18. / 19. Juni 2009 in Brüssel beraten werden. Wir fordern nun alle fortschrittlichen Milchbauern in Europa auf, sich aus diesem Anlass mit ihren Traktoren auf den Weg zu machen und sich zu einem
europäischen Milchbauerntreffen in Brüssel einzufinden. Dort werden wir unsere überlebensnotwendigen Forderungen an die Politik endlich gemeinsam DURCHSETZEN !
Lasst uns die letzten Tage vor der Ernte zu einer eindrucksvollen Demonstration unserer Stärke und Geschlossenheit nutzen.

Liebe Kollegen, sicher ist die Teilnahme an einer solchen Aktion für viele Betriebe eine große Belastung. Die Vergangenheit hat uns jedoch gezeigt, dass wir nur gemeinsam Dinge wirklich verändern können. Der Zeitpunkt dafür ist jetzt gekommen. Schluss mit den Plauderrunden, wir verlangen sofort Lösungen, die uns das Überleben ermöglichen ! Vielleicht ist dies die letzte Möglichkeit, unsere Ziele auch ohne das „letzte Mittel“ durchzusetzen.

Wir erwarten Euer Eintreffen in Brüssel am 17. Juni.

Beginnt sofort in den Kreisen mit der Organisation. Bezieht von Anfang an die Journalisten mit ein. Wir brauchen die Bilder, um damit andere Milchbauern in ganz Europa zu ermutigen, mit uns zu kämpfen. Schon der Weg soll ein Ziel sein. Bringt die Forderungen deutlich lesbar an den Schleppern und Anhängern an.
Sprecht mit Lohnunternehmern, Landmaschinenhändlern, Landhändlern und anderen Betrieben, die von uns leben. Fordert deren Unterstützung und Solidarität ein.
Wer uns sonst noch unterstützen möchte, kann dies hier tun:
Spendenkonto 100312835 bei der Raiba Gerolzhofen, BLZ: 79362081.
Nutzt die vorhandenen Kontakte in andere Regionen und EU – Länder, motiviert Eure Berufskollegen.
Über den konkreten Ablauf und die begleitenden Aktionen bei unserem Milchbauerntreffen werdet Ihr in Kürze informiert. Es werden drei Routen durch Deutschland ausgearbeitet. Den genauen Treffpunkt werden wir Euch noch mitteilen.


Originaltext:  BDM



Norstedt (dpa) – Der Milchbauer Roland Thomsen gibt auf. Nach 17 Jahren. Um 10.21 Uhr ist am Dienstag die letzte seiner 53 Milchkühe auf dem Laster verstaut, im Stall ist es still und leer. «Heute ist ein trauriger Tag. Aber ohne die Milchkühe haben wir weniger Arbeit und mehr Geld auf dem Konto», sagt der 41-Jährige aus Norstedt (Nordfriesland). Seine Frau Silvia (43) bricht in Tränen aus, als sie die Kühe im großen grünen Tier-Transporter verschwinden sieht. Zuvor hat der Milchlaster ein letztes Mal noch Milch geholt – 788 Liter, das bringt nicht einmal 160 Euro.
Wirtschaftlich sei es die richtige Entscheidung, die Milchviehhaltung aufzugeben, vom Herzen her jedoch nicht, betonen beide. «Noch haben wir keine Schulden, aber wir müssten Geld aufnehmen, um es weiterzubetreiben. Das kann nicht sein», sagt der Vater von fünf Kindern. Der Viehhändler Paul Petersen, der die Tiere abholt, kennt die Argumente. «In den vergangenen Monaten passiert es häufig, dass die Betriebe aufgelöst werden.» Doch auch für ihn sei es schwierig, weil es immer weniger Bauern gebe, die expandieren und noch Kühe aufnehmen.
Die Geräte für den Milchbetrieb wollen die Thomsens zunächst noch behalten. «Wir könnten so wieder anfangen», betont Roland Thomsen. Dazu müsse der Milchpreis allerdings auf mindestens 35 Cent pro Liter steigen. «Das ist sehr unwahrscheinlich», sagt er. Vor einem Jahr noch hatte auch Thomsen mit vielen Bauern tagelang die Milchlieferungen boykottiert. Danach stiegen die Angebotspreise und auch die Verbraucherpreise leicht, setzten aber später wegen eines Überangebots zur Talfahrt an. Auch ohne Milchkühe will Thomsen dem Bund Deutscher Milchviehhalter als Fördermitglied treu bleiben. «Wenn es den Bauern gut geht, geht es auch allen anderen gut», sagt er.
Wie Roland Thomsen geht es wohl allen Milchbauern. «Mit einem Milchpreis von rund 20 Cent kann man nicht kostendeckend arbeiten», sagt Klaus Dahmke vom Bauernverband Schleswig-Holstein. Dazu seien 30 bis 35 Cent notwendig. Dahmke forderte von der Politik weitere Erleichterungen beim Agrardiesel für die Bauern, um die eingebrochene Nachfrage und den Preisverfall bei der Milch einzudämmen. «Die Politik ist da bisher nur einen halben Schritt gegangen», betont er.
Schätzungen zufolge geben von 5000 Milchbauern in Schleswig-Holstein pro Jahr rund 150 auf. Die anderen arbeiten mit Hochdruck an einem zweiten Standbein wie Biogas- und Solarenergie. Auch die Thomsens haben sich umorientiert. Seit einigen Jahren bereits konstruiert und verkauft Roland Thomsen Spielzeug-Eggen, -Mähwerke und anderes landwirtschaftliches Zubehör für Kinder- Tretschlepper. «Früher war das Plan B, heute ist es Plan A», sagt er. Zudem hat Silvia Thomsen noch eine kleine Frisierstube im Haus. «Aber morgen werden wir nach 17 Jahren das erste Mal ausschlafen und mit den Kindern frühstücken.»
Original Artikel:

Land & Forst



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