„Ausländer“ darf nicht in die Mühle
Hittfeld: Vorwürfe gegen Disco-Ordner
Von Claudia Michaelis
Hittfeld. Eltern der frischgebackenen Abiturienten am Gymnasium Meckelfeld sind höchst befremdet über einen Vorgang, der sich im Umfeld einer Abi-Fete in der Diskothek „Hittfelder Mühle“ zugetragen haben soll. Ein Mitschüler ihres Sohnes sei von den Türstehern der Disco abgewiesen worden – mit dem Hinweis, er sei ein Ausländer und es seien schon genug Ausländer in der Mühle, berichtet Regine Götz-Jürgens, Leiterin der Volkshochschul-Außenstelle Hittfeld.
Seit Jahren ist es in Seevetal Sitte, dass sich fünf bis sechs Gymnasien zusammentun und gemeinsam eine Abifete veranstalten. Am 12. Juni fand eine solche Abiparty in der Mühle statt, an der auch das Gymnasium Meckelfeld teilnahm. Es war die letzte Abifete, direkt vor den Abschlusszeugnissen, erläutert Götz-Jürgens.
Doch als die jungen Leute hereinwollten, sei dem ausländisch aussehenden Mitschüler der Einlass verwehrt worden. Der junge Mann ist in Bolivien geboren, lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Deutschland, spricht fließend Deutsch und hat die doppelte Staatsbürgerschaft.
Der Schüler habe den Türstehern angeboten, seinen Pass zu zeigen, auch andere Mitschüler hätten für ihn interveniert, aber selbst der Hinweis, dass dies seine letzte Abifete sei, habe nicht interessiert. Die Jugendlichen hätten darum gebeten, den Geschäftsführer sprechen zu dürfen, was ebenfalls abgelehnt worden sei.
Stattdessen hätten sie eine deutliche Warnung erhalten, sofort zu gehen. „Die Jugendlichen waren alle total vor den Kopf gestoßen, dass ihr Mitschüler nicht rein durfte“, sagt Götz-Jürgens. „Die Jugendlichen waren weder betrunken noch hatten sie Alkohol dabei, und ich kenne diesen Jungen schon seit Jahren“, betont Götz-Jürgens. „Wir empfinden diese Praxis als sehr befremdlich, zeigt es doch eindeutig, dass Toleranz und Akzeptanz in unserer Gesellschaft noch sehr zu wünschen übrig lassen“, sagt die VHS-Leiterin.
Sie verstehe, dass die Disco ihre Entscheidungsfreiheit beim Einlass habe. Es könne aber nicht sein, dass Schüler nicht zu ihrer eigenen Abifete dürften. Immerhin fülle die Mühle mit den Abi-Feten auch ihre Disco. Vom Eintritt pro verkaufter Karte erhalten die Schüler einen Euro für ihren eigenen Abiball. Für das Veranstaltungszentrum rentiere sich das, weil die Schüler sehr viel Werbung machten und die Discos gut besucht seien, weiß Götz-Jürgens.
Kai Meier, Inhaber der Mühle, mag nicht glauben, dass sich der Vorfall so zugetragen hat, wie ihn die Schüler ihren Eltern geschildert haben. „Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen“, sagt Meier. Er habe mit seinen Leuten gesprochen, und die hätten ihm gesagt, dass das nicht stimme. An diesem Tag habe sogar ein Türsteher gearbeitet, der selbst Syrer sei, sagt Meier: „Ich zweifle das stark an.“ Die Türsteher gingen konsequent vor, wenn sie Leute abwiesen und etwa junge Männer nicht mehr reinließen, damit das Geschlechterverhältnis einigermaßen gewahrt sei. Mit Ausländerfeindlichkeit habe das aber nichts zu tun. Vielmehr gebe es öfter mal derartige Behauptungen von Jugendlichen, auch bei den Abi-Feten.
Es kann nicht sein, dass Schüler nicht zu ihrer eigenen Abifete dürfen.«
Original Artikel:
HAN